So gelingt Dir der Café Crème an der Siebträgermaschine

29. März 2026 Zuletzt aktualisiert am 16. April 2026 Joscha Gewinner
So gelingt Dir der Café Crème an der Siebträgermaschine

Bestellst Du in der Schweiz einen Kaffee, bekommst Du normalerweise einen Café Crème serviert: ein am Kaffeevollautomaten oder an der Siebträgermaschine zubereitetes Getränk, das im Alpenland so beliebt wurde, dass es keiner weiteren Worte bedarf. Viele wissen bereits, dass der Café Crème in der Schweiz erfunden wurde. Aber wusstest Du, dass der Café Crème auf die Erfindung des Kaffeevollautomaten eines Schweizer Tüftlers zurückgeht? In diesem Artikel erzählen wir die Geschichte des Schweizer Nationalkaffees, wie er sich vom Lungo und Americano unterscheidet und welches das beste Rezept für den Café Crème mit der Espressomaschine ist.

Kurzübersicht

  • Café Crème einfach erklärt: Herkunft, Geschichte und warum er als Schweizer Standardkaffee gilt
  • Die wichtigsten Unterschiede: Café Crème vs. Lungo vs. Americano verständlich auf den Punkt gebracht
  • So gelingt der Café Crème perfekt: Rezept, Brühverhältnis und Tipps für die Siebträgermaschine

Inhaltsverzeichnis

Café Crème: Die Basics

Die Spanier haben ihren Cortado, die Australier ihren Flat White, die Italiener haben den Espresso erfunden und die Deutschen den Filterkaffee. Und die Schweizer? Den Café Crème! Die Erfindung des Café Crèmes hängt eng mit der Entwicklung und Verbreitung des Kaffeevollautomaten zusammen. Nachdem in den 1970ern erste Kaffeeautomaten entwickelt wurden, machte sich der Schweizer Ingenieur Arthur Schmed daran, diese für den Heimgebrauch zugänglich zu machen. Die Innovation: die herausnehmbare Brühgruppe und der erste vollautomatisierte Ablauf für die heimische Küche. Mit Sergio Zappella gründete er die Firma Saeco und stellte das Gerät auf der Mustermesse Basel Mitte der 1980er einer neugierigen Weltöffentlichkeit vor. Diese Maschinen produzierten ein neues Kaffeeprofil: die Getränke waren länger und damit milder und weniger intensiv als ein Espresso, aber deutlich kräftiger als ein Filterkaffee. Der Name leitet sich direkt von der Crema auf der Oberfläche ab, die das neue Getränk im Gegensatz zum herkömmlichen Filterkaffee hatte. Die Verbreitung erfolgte über Kaffeevollautomaten in Büros und Haushalten. Weitere Schweizer Unternehmen wie Thermoplan, Franke und Schaerer trieben die Entwicklung an, so dass der Café Crème seinen Weg auch nach Deutschland und in andere Ländern gefunden hat. Heute ist der Café Crème eng mit der Schweizer Kaffeekultur und Technikgeschichte verbunden.

Was ist ein Café Crème?

Was ist ein Café Crème: Ein Diagramm als Erklärung
Diagramm: Der Café Crème im Querschnitt. Im Verhältnis 1 zu 10 wird der Kaffee in die Tasse extrahiert. Dabei entsteht eine feine Crema. Klassischerweise wird Rahm und Zucker mitserviert.

Ein Café Crème ist ein Kaffeegetränk auf Espresso-Basis, das vor allem in der Schweiz als Standardkaffee gilt. Im Vergleich zum klassischen Espresso wird beim Café Crème mehr Wasser direkt während der Extraktion durch das Kaffeemehl gepresst. Das Ergebnis ist ein milderer Kaffee mit einer feinen, hellbraunen Crema. Perfekt für den Schweizer, der die italienische Kaffeekultur schätzt, für den ein Espresso aber oft zu intensiv ist. Einige leiten den Beinamen vom Kaffeerahm (ital. crema al caffè) ab, der in der Schweizer Gastronomie zusammen mit einem Stück Zucker mitserviert wird. 

Was ist der Unterschied zwischen einem Café Crème und einem Lungo Kaffee?

Lungo ist das italienische Wort für lang und ist die Bezeichnung für einen langen Kaffee aus der Espressomaschine. Wie beim Café Crème wird also deutlich mehr heisses Wasser durch den Kaffeepuck gepresst als beim Espresso. Der wichtigste Unterschied beim Lungo vs Café Crème ist jedoch der unterschiedliche Mahlgrad. Beim Café Crème sorgt ein gröberer Mahlgrad dafür, dass in rund 25 Sekunden deutlich mehr Kaffee extrahiert wird als beim Espresso. Der Lungo dagegen bleibt beim feinen Mahlgrad, wird jedoch länger gebrüht. Das hat zur Folge, dass der Lungo zwar milder ist als ein Espresso. Jedoch lösen sich durch die längere Brühzeit deutlich mehr Bitterstoffe. Ein guter Café Crème ist dem Lungo daher deutlich überlegen, weil er durch den gröberen Mahlgrad ausgewogener und weniger bitter schmeckt. Das setzt aber voraus, dass ein Café sich eine zweite Mühle anschaffen muss, um schneller zwischen einem langen Kaffee und einem espresso-basierten Getränk wie dem Cappuccino wechseln zu können. Will oder kann sich ein Café keine zweite Mühle erlauben, sollte statt dem Lungo das folgende Getränk anbieten: den Americano.

Was ist der Unterschied zwischen einem Café Crème und einem Americano?

Beim Americano wird das zusätzliche Wasser nicht wie beim Café Crème durch den Siebträger gepresst, sondern der Tasse separat hinzugegeben. Je nach Vorliebe des Cafés oder Baristas geschieht dies vor oder nach der Extraktion des doppelten Espressos. Während also beim Café Crème die gesamte Wassermenge direkt durch das Kaffeemehl extrahiert wird, basiert der Americano auf einem fertigen doppelten Espresso, der nachträglich (oder vorträglich) verdünnt wird. Das wirkt sich deutlich auf das Geschmacksprofil aus.

Americano: Der doppelte Espresso wird in die Tasse mit heissem Wasser gebrüht.
Bild: Bei einem Americano wird ein doppelter Espresso mit heissem Wasser gemischt.

Ein Americano hat in der Regel einen leichteren Körper und eine wässrigere Textur im Vergleich zum Café Crème, wobei die Wässrigkeit hier nur das Mundgefühl beschreiben soll, nicht die Intensität des Geschmacks. Typische Espressonoten bleiben erhalten, wirken aber etwas aufgelockert.

Ein guter Café Crème hingegen ist runder, balancierter und kompakter. Da die Extraktion als ein zusammenhängender Prozess erfolgt, wirken die Aromen stärker integriert und weniger verdünnt.

Wenn ein Café für den Café Crème keine zweite Mühle hinstellen möchte, dann ist der Americano die bessere Alternative zum Lungo Kaffee. Für den Home Barista ist der Americano die beste Wahl, wenn der Flowmeter in der heimischen Espressomaschine die für den Café Crème benötigte Extraktionsmenge nicht zulässt. In allen anderen Fällen erzielt man mit einem guten Café Crème den besten langen Kaffee.

Vergleich: Café Crème im Vergleich zu Lungo, Americano und Espresso
Merkmal Café Crème Lungo Americano Espresso
Café Crème Lungo Americano Espresso
Shots 2 Shots 1 Shot 2 Shots + Wasser 1 Shot
Kaffee-Input 18 g 9–12 g 18 g 9–12 g
Brühverhältnis 1 : 10 1 : 5 1 : 2,5 + 100 ml Wasser 1 : 2,5
Getränkemenge ca. 180 ml ca. 45–60 ml ca. 145 ml ca. 45 ml
Wasserzugabe durch den Siebträger durch den Siebträger separat in die Tasse keine
Mahlgrad gröber als Espresso Espresso-Mahlgrad Espresso-Mahlgrad Espresso-Mahlgrad
Brühzeit 25–30 Sek. länger als Espresso 25–30 Sek. (Espresso) 25–30 Sek.
Textur rund, kompakt länger, oft bitterer leichter, wässriger im Körper dicht, sirupartig
Geschmack mild, ausgewogen kräftig, oft bitter klar, etwas verdünnt intensiv, konzentriert
Typische Rolle Schweizer Standardkaffee italienischer Klassiker Alternative ohne zweite Mühle Basisgetränk

Wie schreibt man Café Crème richtig?

Die korrekte Schreibweise lautet Café Crème, also mit Akzent auf beiden Wörtern. Nicht «Caffee Creme», nicht «Kaffee Creme» und auch nicht «Creme Cafe». Die korrekte Schreibweise stammt aus dem Französischen und bezieht sich auf die feine Crema, die sich auf dem Kaffee bildet.

Mehr an die italienische Kaffeekultur orientieren sich die Kaffeefreunde, die einen «Caffè Crema» bestellen, eine Variante, die wir ebenfalls erlauben möchten. Nur leider sind sich die Freunde der italienischen Kaffeekultur bei der Schreibweise nicht immer einig. So bestellt sich eine einen «Kaffee Crema», während der andere jedoch einen «Cafe Crema». Und wäre das nicht genug, taucht noch jemand Drittes auf mit dem Wunsch eines «Caffe Crema» oder «Kaffee Crema», ganz ohne Akzente.

So schreibt man Café Crème richtig
Bild: Man entscheide sich für die französische oder für die italienische Schreibweise.

Tipp: Wer sich beim nächsten Cafébesuch nicht blamieren möchte, der möge sich einfach einen Americano bestellen. Hier gibt es bei der Aussprache keine zwei Meinungen. Und zum anderen: wenn ein Café keinen Americano anbieten kann, ist das ein sicheres Zeichen, dass der Kaffee dort sowieso nichts taugt.

Das beste Café Crème Rezept für den Siebträger

Café Crème selber machen leicht gemacht: Wer gute Kaffeebohnen und eine ordentliche Kaffeemühle verwendet, der braucht für ein gutes Ergebnis in der Tasse weder Kaffeerahm noch Zucker. Du brauchst:

Schritt 1: Den richtigen Mahlgrad finden

Eine Home Barista passt an der Zuriga den Mahlgrad an.
Bild: Im Vergleich zum Espresso muss der Mahlgrad deutlich gröber gewählt werden, damit in der gleichen Zeit fünfmal so viel Kaffee extrahiert wird.

Wir wollen in einer Durchlaufzeit von 25 bis 30 Sekunden etwa die fünffache Getränkemenge eines Espressos extrahieren. Das erreichen wir nur mit einem Mahlgrad, der deutlich gröber eingestellt ist als beim Espresso.

Schritt 2: Kaffeewaage verwenden

Ein Espresso wird in eine Tasse auf einer Kaffeewaage extrahiert.
Bild: Mit einer Kaffeewaage kann sowohl die Brühzeit als auch die Menge in der Tasse gemessen werden.

Eine Kaffeewaage mit integrierter Stoppuhr hilft dir, den richtigen Mahlgrad zu finden: Erreichst Du bei einem Input von 18 g Kaffee innerhalb von 25 bis 30 Sekunden die gewünschte Menge von 180 ml nicht, ist Deine Mühle noch zu fein justiert. Du musst einen gröberen Mahlgrad finden. Erreichst Du die gewünschten 180 ml zu früh, musst Du einen feineren Mahlgrad wählen.

Schritt 3: Kaffee extrahieren und probieren

Hast Du einen Mahlgrad gefunden, mit dem Du das richtige Durchlauf-Zeitfenster triffst, beginnt der eigentliche Spass: das Probieren. Aber Vorsicht: auf Grund der zusätzlichen Wassermenge ist der Café Crème zu Beginn deutlich heisser als ein gewöhnlicher Espresso.

Eine junge Dame probiert einen Café Crème.
Bild: Der beste Café Crème ist der Café Crème, der Dir persönlich schmeckt. Daher: Immer probieren und allenfalls anpassen.

Tipps für den perfekten Café Crème

Falls Du mit dem Ergebnis in der Tasse noch nicht zufrieden bist, hast Du mehrere Stellschrauben, an denen Du drehen kannst. Aber wichtig: Ändere pro Runde immer nur eine Variable, während Du die anderen konstant hältst: 

  • Passe den Mahlgrad leicht an: Das Zeitfenster von 25 bis 30 Sekunden erlaubt Dir leichte Anpassungen am Mahlgrad. Je nachdem ob Dir das Ergebnis bisher zu bitter oder zu sauer/wässrig war, mahle das nächste Mal etwas gröber bzw. feiner.
  • Passe das Brühverhältnis an: Schmeckt Dir der Kaffee zu sauer, probiere ein Kaffee-zu-Wasserverhältnis von 1:8. Bei zu bitterem Tassenprofil probiere es mal mit 200 ml Extraktionsmenge.
  • Verwende andere Kaffeebohnen: Bei dunkel gerösteten Kaffeebohnen lösen sich beim Café Crème noch mehr Bitterstoffe. Schmeckt Dir der Café Crème also zu bitter, probiere unbedingt eine hellere Röstung, zum Beispiel die von Beanwatch. Achte zudem, dass Du Spezialitätenkaffee verwendest, um die Wahrscheinlichkeit von Defekten in den Kaffeebohnen zu verringern.

Fazit

Der Café Crème ist die Schweizer Antwort auf den italienischen Espresso und den deutschen Filterkaffee. Durch die Erfindung und Verbreitung des Kaffeevollautomaten an Schweizer Raststätten und in heimischen Küchen hat sich auch der Café Crème durchsetzen können. Er unterscheidet sich vom italienischen Lungo im Mahlgrad und vom Americano dadurch, dass kein separates Wasser zur Tasse hinzugefügt wird. Alles, was es für einen gelungenen Café Crème braucht, ist eine gute Kaffeemühle sowie gute Kaffeebohnen. In dieser Kombination hat der Café Crème das Potenzial, auch über die Schweizer Grenzen hinaus in der globalen Specialty-Coffee-Szene Fuss zu fassen.

Joscha Gewinner von Beanwatch Coffee

Joscha Gewinner

freut sich über den Café Crème als Fallback-Variante, falls die Mühle im Büro wieder mal einen Espresso nicht fein genug mahlen kann. Dann wenigstens bleibt noch der Schweizer Klassiker, den Tag zu retten.